Katholische Kirche pauschalisieren ist Blödsinn

Ich mag die katholische Kirche wirklich sehr. In den letzten Jahren hat sie sich fast nur noch auf soziale Projekte konzentriert – und genau so sollte es auch sein. Sie betreibt unzählige Kindergärten, betreut Obdachlose, hilft Geflüchteten, engagiert sich in der Sucht- und Schwangerenberatung und unterhält viele soziale Einrichtungen. Das ist beeindruckend und wichtig für unsere Gesellschaft.Natürlich gibt es – wie in jedem Berufsstand und in jeder großen Organisation – auch ernste Probleme. Kindesmissbrauch ist eine der schlimmsten Verbrechen, die es gibt. Gerade die katholische Kirche, die sich dem Schutz des Lebens und der Schwachen verschrieben hat, hätte hier das genaue Gegenteil verkörpern müssen. Stattdessen gab es in vielen Fällen jahrzehntelanges Schweigen, Vertuschung und mangelnde Konsequenz. Das hat unermessliches Leid verursacht und das Vertrauen vieler Menschen schwer erschüttert. Dafür schämt sich die Kirche zu Recht – und muss weiterhin konsequent aufarbeiten.Trotzdem ist es unfair und falsch, deshalb alle Katholiken pauschal als verdächtig oder gar als potenzielle Pädophile hinzustellen. Das wäre genauso ungerecht, wie wenn manalle Lehrer als Kinderschänder bezeichnen würde, nur weil es leider immer wieder Fälle von sexuellem Missbrauch durch Lehrkräfte gibt (und das kommt vor – teilweise sogar häufiger als man denkt, wenn man die polizeilichen Statistiken anschaut),
alle Erzieherinnen und Erzieher in Kitas als gefährlich darstellen würde, obwohl es auch dort traurige Einzelfälle gibt,
alle Polizisten als gewalttätig abstempeln würde, nur weil es vereinzelt Übergriffe gibt,
oder alle Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern und Heimen als Täter sehen würde, obwohl Missbrauch gerade in Pflege- und Betreuungsberufen leider vorkommt.
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Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen findet in Deutschland in sehr vielen Bereichen statt – in Familien (der mit Abstand häufigste Kontext), in Vereinen, im Sport, in Schulen, in Heimen und leider auch in kirchlichen Einrichtungen. Das Problem ist nicht auf eine Gruppe beschränkt. Es hat mit Machtgefällen, Vertrauensvorschüssen und mangelnder Kontrolle zu tun – und tritt daher besonders in sozialen, pädagogischen und pflegerischen Berufen auf, wo Erwachsene viel Zeit mit Kindern und Schutzbefohlenen verbringen.Zur Kirchensteuer: Viele finden sie zu hoch. Aber man sollte bedenken, wofür sie (zum großen Teil) verwendet wird. Ein erheblicher Anteil fließt in die Gemeindearbeit vor Ort, in Seelsorge, in Jugendarbeit, in Beratungsstellen, in die Unterstützung von Familien in Not, in die Erhaltung von Gebäuden – und ja, auch in die Mitfinanzierung vieler sozialer Einrichtungen. Kirchliche Krankenhäuser, Kitas, Altenheime und Beratungsstellen (Caritas) leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft – auch wenn ein Großteil dieser Einrichtungen staatlich mitfinanziert wird. Viele Menschen gehen selten oder gar nicht in die Kirche zum Beten, schätzen aber genau diese soziale Arbeit und sagen: „Mir ist der Mensch wichtig.“Kurz gesagt: Die katholische Kirche hat in der Vergangenheit bei Missbrauchsfällen dramatisch versagt – das muss man klar benennen und weiter aufarbeiten. Gleichzeitig leistet sie (und viele ihrer Mitglieder) enorm viel Gutes im sozialen Bereich. Beides gehört zur Wahrheit – und Pauschalurteile über „die Katholiken“ helfen niemandem.

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