Schopenhauer argumentiert in seinen Betrachtungen, dass, während die Frau ihrem Manne treu wird, die Natur selbst den liebenden Mann zur Unbeständigkeit und Untreue disponiert. Die Liebe des Mannes nimmt nach einer gewissen Zeit merklich ab, so dass beinahe jede andere Frau für ihn anziehender erscheint als die eigene, der Mann ist auf Veränderung gerichtet, während die Liebe der Frau, einmal gewählt, beständig wächst. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Natur auf die Erhaltung der Gattung abzielt und folglich auf deren möglichst weite Verbreitung bedacht ist. Daher rührt die Neigung des Mannes zu anderen Frauen, während die Frau sich an einen einzigen Mann bindet, denn die Natur drängt sie unbewusst dazu den Beschützer und Ernährer der kommenden Generation zu bewahren. Aus diesem Grunde ist die Treue in der Ehe für den Mann etwas Künstliches, für die Frau hingegen etwas Natürliches. Folglich erscheint die Untreue der Frau, sowohl in Ansehung ihrer äußeren Folgen als auch ihrer inneren Künstlichkeit, weit unverzeihlicher als die des Mannes.
Wenn man diese Ausführungen nicht als moralische Rechtfertigung des Betrugs missversteht, so ist zu bemerken, dass solche Gedanken von Schopenhauer in einer Zeit geäußert wurden, in der selbst der Name Darwins noch unbekannt war. Erst Jahrzehnte später entwickelte sich im Anschluss an Darwin eine Disziplin unter dem Titel der „evolutionären Psychologie, welche, gestützt auf empirische Daten, zu ähnlichen Resultaten gelangte. Das männliche Geschlecht ist im Menschen beständig zum Sich-Paaren geneigt, während das weibliche zum Gepaart Sein tendiert.
↩️Aus einer Facebook Gruppe über Philosophie
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