„Kleider machen Leute“ – wie weit geht diese Frage heute? Warum machen Kleider überhaupt Leute?
Von Victoria Weis
Ich bin 1988 in einer Kleinstadt geboren: Heilbad Heiligenstadt. Eine Stadt, in der auch Höcke sein politisches Ziel verfolgt. Diese Stadt ist angepasst und ruhig, mitten in Deutschland. Hier fällt wenig auf – außer vielleicht das berühmte „Gehacktes“. Und selbst nach fünfzehn bis zwanzig Jahren verändern sich die Menschen kaum. Es ist eine kleine Heimat, die ich sehr mag. Eine Kurstadt mitten in Deutschland. Die Alten sind gesittet, die Jugend rebellisch – wie im Dorf, und das im Jahr 2026. Die Klamottenfrage ist hier wie überall: „Kleider machen Leute“.
Das gab es schon bei den Heiden überall in Europa. Kleidung kam von den Mächtigen und diente der Gruppeneinteilung bis hin zur Rangfolge. Eine schnelle Zuordnung der ersten frühen Diktaturen: Man sollte sofort erkennen, wer etwas zu sagen hat und wer nicht. Wer Rang und Namen hatte.
In den Neunzigern und frühen Zweitausendern waren es die Markenklamotten – Adidas, Puma und Co. Sie gehörten zum guten Ton. Genau in dieser Zeit ging ich zur Schule und hatte keine Markenklamotten, weil meine Mutter auf ihre Selbstständigkeit sparte. Sie wollte von null Euro – es gab damals kein Startkapital für Selbstständige – ein Geschäft aufbauen. Natürlich dauert das eine Weile, aber sie bekam es hin, mit viel Mühe, Spucke und Leid.
Währenddessen wurde ich in der Schule wegen der Klamottenfrage fertiggemacht. Anfang der Zweitausender ist die Modefrage kein langsamer Prozess mehr, der sich über Jahre verändert. Die Mode muss zeitnah gekauft werden, genau dann, wenn sie „in“ ist. Immer auf dem neuesten Trendmarkt.
Heute ist das mit Handys und Geräten genauso – nur dass sie meist noch teurer sind.
Ich bin dafür, dass kein Aussehen einen Menschen und dessen Behandlung bestimmt. Kleidung dient nur dazu, uns einzuteilen: arm, reich, alt, jung usw. Eben: Kleider machen Leute. Dank Temu ist es nicht einmal teuer, sich ausgeflippte Kleidung zu leisten – Kleidung, die früher nie richtig „in“ war. Eigentlich müssten wir so rumlaufen, wie wir wollen, denn jeder ist vor dem Gesetz gleich. Schreit da jemand still und heimlich nach Revolution?
Januar 2026, Facebook: Die Seite „Stolz Deutsch“ lief mir über den Weg. Das Internet war ohnehin schon böse genug geworden – Bildung fand man kaum noch. Der Koran wurde als Demokratie verkauft, und niemand las mehr Bücher gegen Dummheit. Die Bildung hatte nichts mehr zu melden. Ein riesengroßes Regenbogenkonzert der Dummheit. Erwachsene lasen Pippi Langstrumpf und Bummi-Bären.
„Stolz Deutsch“ stellte die Klamottenfrage. Ein schlanker, trainierter Mann mit glattem Haar und speziellem Schnauzer, einem langen schwarzen Mantel, der cooles Zeug redete. Er wirkte gebildet und wie ein Beschützer.
Später machte er sich über anders Aussehende lustig. Das war sogar für mich nervtötend. Wie konnte sich ein Gebildeter überhaupt die Klamottenfrage stellen? Klar, durch die Flüchtlingskonzerte denkt man schon: „Guck mal, Kindergarten mit bösem Anhang.“ Aber es wirkte für mich, als ob ein Kind das andere ausfeipft.
In meinen frühesten Kindertagen waren es die Gebildeten, die „komisch“ rumliefen. Sie wollten die Ego-Frage stellen, und ihnen war auch ein deutsches Kind liebenswert. Der Islam stellt bis heute die Klamottenfrage mit den Kopftüchern – als Gruppenzwang und Identitätsbildung. Was widersprüchlich ist, wenn sie gleichzeitig helfen wollen.
Wie meint das also „Stolz Deutsch“? Sollen alle so sein wie er? Au weia – nein, das brauche ich nicht. Ein neuer Rudelführer. So ein Quark.
Am besten sollte man die Klamottenfrage verbrennen. Fakt ist: Es sind keine normalen Klamotten, wenn jemand einen schlechten Ruf darauf projiziert und andere dadurch „gebildet“ oder „gut“ wirken sollen.
Ich mag ausgeflippte Kleidung immer noch – aber keine Diktatur der Dummen in ganz Europa. Ich bin dafür, dass Bücher wieder „in“ werden und Freiheitsdenker verrückte Kleidung tragen. Es ist wie beim Zauberlehrling: zu doof zum Zaubern, wenn jemand dumm und straight ist.

Quelle Bild: https://www.emp.de/frauen-kleidung/

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