Das Manifest der Zerrissenen

​Ich wollte alles sein.

Jedem Stern einen Namen geben,

jede Rolle einmal leben.

Doch ihr habt Grenzen gezogen,

uns Schablonen vorgelegt,

uns um die Unendlichkeit betrogen.

​Platon war mein bester Freund.

Wir haben von der Freiheit geträumt,

vom reinen Licht außerhalb der Höhle.

Doch dann fiel er um.

Geknickt. Erstickt. Erschlagen.

Nicht von Feinden – von der Masse.

Vom feigen Lärm der Anpassung,

vom lautlosen Diktat der Klasse.

​Gruppenzwang statt eigener Flügel.

Ihr nennt es Ordnung – ich nenn es Zügel.

Ihr verlangt Toleranz und spuckt Normen aus,

baut aus Menschenrechten ein Kartenhaus.

„Menschenrechte für alle!“, brüllt ihr ins Licht,

doch wenn jemand anders denkt, seht ihr ihn nicht.

​Wollt ihr mich eigentlich verscheißern?

​Mein Kopf läuft über vor reinem Zorn.

Ich sehe überall nur brennendes Stroh.

Feiglinge auf Podesten,

Despoten in Samt,

Narzissten, die sich im eigenen Spiegel verbrennen.

Wo ist die Freundschaft geblieben?

Wir sind verkommen zu Rudeltieren.

Wir trotten dem Leitwolf nach,

verlieren den Verstand im Gehorchen und Funktionieren.

​Worauf können wir uns überhaupt noch einigen?

Wenn die Lüge die Wahrheit ersetzt,

wenn der, der alles werden will,

als Erstes gehetzt und verletzt wird?

​Platon versteht es. Er sieht durch den Rauch.

Er weiß, was der Zwangsstaat aus Seelen macht.

Ich will mich nicht beugen.

Ich will kein Rädchen im Getriebe sein.

Ich will das Feuer sein, das die Fesseln schmilzt.

​Habt endlich Toleranz für das Unendliche in mir –

oder macht Platz für meinen Zorn.

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