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Der moderne Staat ist kein moralisches Projekt der «Gerechtigkeit». Er ist eine souveräne Ordnung, die sich nicht durch Werte, sondern durch Entscheidung trägt. Wo er erscheint, entsteht nicht zuerst Moral, sondern Struktur: die Unterscheidung zwischen Schutz und Gehorsam, zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss, zwischen politischer Einheit und politischer Differenz.
«Gerechtigkeit» ist in diesem Zusammenhang kein Ursprung des Staates, sondern ein nachgeordneter Begriff. Sie entsteht innerhalb der Ordnung, nicht außerhalb von ihr. Sie ist kein Maßstab über dem Staat, sondern ein Produkt seiner inneren Stabilisierung.
Carl Schmitt fasst den Kern dieser Logik in einer Formel, die jede normative Verklärung zurückweist :
« Das protego ergo obligo ist das cogito ergo sum des Staates.»
Der Staat existiert nicht durch moralische Begründung, sondern durch Schutz. Schutz ist keine Leistung unter anderen, sondern der Punkt, an dem politische Ordnung überhaupt erst beginnt. Aus Schutz folgt nicht Zustimmung, sondern Bindung.
Diese Bindung ist nicht abstrakt. Sie wird konkret in der politischen Entscheidung über Freund und Feind. Schmitt formuliert das nüchtern:
« Der Schutzherr bestimmt dann den Feind.»
Damit ist Schutz niemals neutral. Er ist immer Entscheidung. Und jede Entscheidung zieht eine Grenze: zwischen innen und außen, zwischen dem, was geschützt wird, und dem, was nicht mehr dazugehört.
Aus dieser Struktur heraus wird auch «Gerechtigkeit» lesbar: nicht als übergeordnete Idee, sondern als Sprache der Ordnung selbst. Sie benennt nicht etwas außerhalb des Staates, sondern beschreibt nur, wie der Staat sich selbst stabil hält.
Die Bismarcksche Sozialgesetzgebung erscheint vor diesem Hintergrund nicht als moralische Zuwendung, sondern als staatliche Form der Integration unter industriellen Bedingungen. Versicherungssysteme sind keine Ethik der Fürsorge, sondern Instrumente der Bindung: sie ordnen Zugehörigkeit, bevor sie Wohlfahrt bedeuten.
Der Wohlfahrtsstaat ist daher kein Bruch mit der Logik des modernen Staates. Er ist ihre Fortsetzung in anderer Form. Schutz bleibt das Zentrum. Gehorsam bleibt die Folge. Und «Gerechtigkeit» bleibt das, was sie immer war: ein Begriff innerhalb der Ordnung, nicht über ihr.
Von Facebook von Muhammed sabbah in der deutschen Philosophie Gruppe
Soweit richtig: Ohne Staat gibt es keine Ordnung, sondern Anarchie bis hin zur Anomie. Tugenden und Werte sind laut Platon wichtig, laut Nietzsche hingegen nicht. Kultur ist schon immer eine Form gewesen, die der Menschheit Reichtum und ein humaneres Leben gebracht hat. Dies beginnt mit den Göttern. Siehe Thomas Hobbes. Es handelt sich dabei zunächst um kleine Ordnungen von kleinen Gruppen und um (Welt-)Religionen. Die ersten Staaten waren praktisch religiös geprägt und ermöglichten dadurch ein einfacheres Zusammenleben, denn jeder hatte seine klar definierte Aufgabe und Verpflichtungen.

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